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Die letzten Worte

Heute Nacht hat mich Schnubbi verlassen…wie das doch klingt. Wie ein Vorwurf. Als wäre sie freiwillig gegangen und hätte mich zurück gelassen. Sicher ist sie nicht freiwillig gegangen. Sie lag bei ihren Vorräten. Sie hatte etwas vor. Sie ging nicht weil sie wollte. Etwas … jemand hat sie fort geholt und das Leben hat ihren kleinen Körper verlassen. Hat ihn zurück gelassen und ich bin nun auch allein.

Zurückgeblieben mit Erinnerungen an sie und an das Leben das sie geführt hat. Das Leben das sie mit mir geteilt hat. An dem ich teilhaben durfte. Sie hat das nicht entschieden. Sie hat sich lediglich damit arrangiert. Ich gab ihr einen Käfig und sie hat darin gelebt. Ich habe entschieden wo ihr Freilauf endet und sie hat mit dieser Entscheidung gelebt.

Sicher war es nicht das schönste Leben das sie führen konnte. Und wenn sie versucht hat sich einen Weg aus dem Freilauf zu suchen, dann war das ein Zeichen für ihre Sehnsucht nach mehr. Ich habe versucht ihr mehr zu bieten und trotzdem hinderte mich die Pflicht sie zu schützen. Sie zu schützen weil sie etwas besonderes war. Etwas das ich liebte und mir wichtig war. Etwas das ich vermisse weil es nun weg ist. Etwas das mir jetzt die Luft abschnürt und den Blick trübt.

Als ihr Vorgänger, der kleine graue Hamster, namenlos nach bereits zwei Wochen  in meiner Obhut starb, nahm ich mir etwas vor. Als die wenigen Erinnerungen an ihn verblassten, wurde mir klar das es nichts gibt außer der Erinnerung an etwas. An jemanden. Schnubbi sollte das nicht passieren. Sie sollte man kennen und sich an sie erinnern. Wie lächerlich gescheitert bin ich doch. Ein paar Bilder und Artikel. Nur ein paar Buchstaben. Noch so viele Fotos die doch nichts aussagen.

Nicht ein einziges Mal habe ich es geschafft das Gefühl festzuhalten das ich verspürt habe wenn sie aufgewacht ist und Ausschau nach mir hielt. Oder wenn sie still da saß und mich beobachtete. Wie sie mich ansah wenn ich sie in der Hand hielt. Ihre offensichtliche Missachtung zeigte indem sie sich demonstrativ weg drehte aber mir dann noch einen Schulterblick zuwarf.

Und wie banal ist das Leben doch. Es geht einfach weiter. Noch wie ich sie mit ihrem Nest und ihren Vorräten in eine Schachtel lege denke ich über Belanglosigkeiten nach. Ob der Boden gefroren ist. Wo ich sie beerdige. Wo die Schaufel ist. Ja sogar was nun mit dem Käfig wird und ob ich einen anderen Hamster hole.

Einen anderen Hamster…einen Ersatz. Etwas das es mir leichter macht. Damit ich nicht tagelang in einen leeren Käfig blicke der mich nur daran erinnert das sie nun nicht mehr aufwachen wird. Sie wird nicht mehr eilig zur Klo-Ecke rennen um danach gemächlich zurück zu schlendern und dann stehen bleiben um nach mir zu sehen.

Und dann finde ich diese kleine Haselnuss in ihrer Ecke. Gerade war sie soweit das man das Innere durch ein Loch sehen kann. Soweit war sie schon gekommen. Tagelang hat sie daran gearbeitet. Sie war noch nicht fertig. Und in ihrer kleinen Welt war das doch so wichtig. Sie wurde nicht fertig. Hatte keine Zeit mehr dafür. Sie lag da, eine Pfote zu einer kleinen Faust geballt. Vor ihren Vorräten und dieser Nuss, die ihr in ihrem Leben wohl alles bedeutet haben.

Ich bleibe zurück wie ihre Vorräte, die ihr wohl so viel mehr bedeutet haben. Sie hat wohl nie verstanden wie wichtig sie für mich war. Das sie etwas ganz besonderes war. Ich hoffe das sie es nie bedauert hat ihr Leben mit mir verbracht zu haben. Sie hat meines bereichert. Jeden Tag. Und daran will ich mich erinnern.

Wie seltsam das die Sonne scheint…

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Ein Kommentar zu “Die letzten Worte

  1. Du schaffst es echt so zu schreiben, dass einem die Tränen in die Augen steigen und, dass einem dieses Gefühl übermittelt wird, dass du beschreibst…

    Ich möchte nochmal mein tiefstes Beileid aussprechen. Ich denke, Schnubbi hatte keinen Grund es zu bedauern, mit Dir zusammengelebt zu haben – im Gegenteil. Sie hatte es wirklich gut bei Dir und wir haben alle gesehen, was Du für sie getan hast und was sie auch für dich getan hat.
    Du hast Schnubbi zu einem Teil unseres Ships gemacht, zum Teil unserer Leben und dafür bin Ich Dir dankbar. Nichts ist schöner als die Bindung zwischen Mensch und Tier und diese ist nun nicht einfach weg, sie wird immer bleiben.

    Fühl‘ dich gedrückt *drück*

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